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Emanuel im Wettkampfeinsatz

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Urs nimmt Anlauf

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Aargauer Meisterschaften

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Mit Musik geht alles besser

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Manfred in Siegerpose

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Viel Spass mit dem Schwungtuch

Aus der Geschichte

Kurt Suter, der Pionier......

50 Jahre BSG Wettingen

Behindertensport Wettingen – seit 50 Jahren….

Die 50 Jahre von 1961 – 2011 waren im Behindertensport eine bewegte Zeitspanne.  Die Behindertensportgruppe Wettingen entstand dank einigen initiativen Leuten, die erkannten, dass  Bewegung für  Menschen mit einer Behinderung besonders wichtig ist.

Kurt Suter, erster Präsident der Sportgruppe, war einer dieser Pioniere. Rolf Nyfeler im Gespräch mit ihm über diese intensive, aber auch turbulente Anfangszeit der BSG Wettingen. 

Kurt, wie bist Du zum Behindertensport gekommen?

Mein Vater verlor bei einem Bahnunfall ein Bein, er gründete darauf  die Sektion Baden des schweizerischen Invalidenverbandes. Nach seinem Ableben übernahm dann meine Mutter das Präsidium. In der gleichen Zeit wurde von Magglingen aus der Verband Behindertensport Schweiz aufgebaut. Um in Baden eine Sportsektion zu gründen. stellte meine Mutter an die Stadt ein Gesuch für eine Turnhallenzuteilung.

Am allerersten Turnabend hatte meine Mutter aber keine Zeit, also schickte sie mich dorthin. Das war der Anfang. Nun bauten wir eine Sportgruppe in Baden auf und turnten in der Turnhalle Tannegg. Der Invalidenverband war aber mit dieser Neuerung  nicht einverstanden und löste an einer emotionalen Verbandssitzung den Verein kurzerhand wieder auf. Ich konnte nur noch unser Bankkonto sperren und den Gerätekasten in der Tannegg räumen. Darauf zogen wir uns nach Wettingen zurück und machten dort weiter. Mit meiner Mutter hatte ich wegen dieser Vorgeschichte einige Zeit lang ein getrübtes Verhältnis, da sie ja dem Invalidenverband angehörte. Das war im Jahre 1961, so entstand die Sportgruppe BSG Wettingen.

Wieviele Mitglieder waren am Anfang dabei?

An der Gründungsversammlung waren bereits 17 Mitglieder anwesend. Spontan wurde uns von der Gemeinde Unterstützung zugesagt und die Turnhalle Altenburg für Freitagabend zugeteilt. Am Anfang bestand die Gruppe nur aus Körperbehinderten, geistig Behinderte kamen erst später dazu.

Gab es noch andere Probleme in der Anfangszeit?

Kurt Suter schmunzelt und erzählt: Damals war das grosse Problem, dass der Behindertensport noch unbekannt war. Es gab keine Versicherungen, die einen Vertrag für den Turnbetrieb abschliessen wollten. Das Unfallrisiko ist zu gross, Behinderte gehören nicht in die Turnhalle, so hiess es. Erst später, als praktisch keine Unfälle beim Turnen passierten, gelang es, die Turnerinnen und Turner zu versichern. Weiter gab es natürlich auch technische Probleme im Turnen wie zum Beispiel beim Hochsprung mit Blinden, wenn die Anlaufsrichtung nicht genau stimmte. Zudem war allgemein die Akzeptanz für den Behindertensport noch sehr klein.

Was gab es im Angebot der Sportgruppe?

Der Behindertensport wurde in der Schweiz von Magglingen her aufgebaut. Die Leichtathletik macht den grössten Anteil des Programmes aus. Unser Sportleiter Hans Baumgartner, diplomierter Heilgymnast und Physiotherapeut, tätig bei der Suva in Magglingen, brachte diese Disziplinen sehr professionell nach Wettingen. Davon profitierte die Sportgruppe in den ersten Jahren sehr. Ein grosser Rückschlag erlitten wir als 1968 Hans Baumgartner verstarb.

Das Schwimmen ist heute in der Sportgruppe Wettingen ein ganz wichtiger Teil, war das früher auch so?

Dank neuer Leiterinnen und Leiter, konnten wir 1971 mit einem Schwimmkurs im Schulhaus Margaläcker beginnen. Das Schulhausbad war an tiefster Stelle 1.4 m. die Teilnehmer konnten also notfalls abstehen. Einige schafften sogar bis vier Längen ohne abzustehen. Doch an der erstmaligen Teilnahme am Schwimmwettkampf in Magglingen brachten wir kein Wettinger ins Wasser, da das Becken etwas tiefer war. Kurt Suter lacht dazu…

Später kamen ja auch geistig Behinderte in den Turnunterricht, wie kam es dazu?

Im gleichen Jahre 1971 hatten wir das Ziel, das Turnen mit geistig Behinderten einzuführen.

Dazu beriefen wir eine Orientierungsversammlung für Eltern ein. Die Enttäuschung war gross, als nur drei Elternpaare erschienen. Trotz diesem Desinteresse haben wir Menschen mit einer geistigen Behinderung ins Turnen integriert. Die Körperbehinderten freuten sich über den Zuwachs und den Kontakt mit ihnen. Die Mitgliederzahl erhöhte sich nun schnell, 1973 waren es schon 42 Sportlerinnen und Sportler. Mit diesem Anstieg musste auch der Leiterbestand erhöht und angepasst werden.

Wie entwickelte sich die Sportgruppe danach weiter?

Es kam die Idee, pro Jahr ein Sportwochenende durchzuführen. Wir durften dafür die Hütte der Naturfreunde auf der solothurnischen Schafmatt benutzen. Man muss sich vorstellen, dass  es früher sehr wenige rollstuhltaugliche Gebäude gab. Auf der Schafmatt mussten steile Treppen und enge Eingänge  mühsam überwunden werden.

Und von Ruhe für die Leiter am Abend keine Spur, wie in einem Klassenlager ging es bis Morgenfrüh hoch zu und her. Alle erlebten schliesslich das erste Mal  Schlafen im Massenlager!

Da es auf der Schafmatt dann bald zu wenig Platz hatte, fanden die Trainingswochenende  auf dem Rügel, oberhalb des Hallwilersees statt, später noch am Greifensee.

Ein Maskenball an der Fasnacht organisierten wir zusätzlich, “das war wirklich der Hammer“ erzählt Kurt Suter strahlend. Diese gesellschaftlichen Anlässe wurden später von anderer Seite, zum Beispiel der Elternvereinigung und den Wohngruppen übernommen. Es kamen vermehrt sportliche Wettkämpfe ins Jahresprogramm.

Weitere Aufgaben kamen dazu, wie zum Beispiel die Uebernahme des Schülerturnens der heilpädagogischen Sonderschule. Das Einzugsgebiet erweiterte sich, Wettingen wurde sozusagen eine Hochburg des Behindertensports.

Wegen dem starken Anstieg der Mitgliederzahl wurde es in der Halle eng, es turnten jeweils bis 40 Geistig- und Körperbehinderte in einem Raum. Wir entschlossen uns eine Aufteilung vorzunehmen und zwei separate Gruppen zu bilden. Die Mitglieder bedauerten das sehr, da alle sehr gut miteinander harmonierten.

Was hat Dich bei Deiner Tätigkeit im Behindertensport am meisten beeindruckt?

Am meisten habe ich mich über die grosse und beinahe lückenlose Beteiligung in den Turnstunden gefreut. Das Turnen und Schwimmen war ein fester und wichtiger Termin der Sportlerinnen und Sportler. Das hat uns Leiter stets motiviert. Die Stimmung in der Halle war sehr kameradschaftlich.

Kurt Suter ist heute 85 Jahre alt und lebt in Baden. Er ist noch immer fest mit der BSG Wettingen verbunden. Sein Sohn Jürg Suter leitet das Schwimmen im Hallenbad Tägerhard.

Wir wünschen Kurt Suter weiterhin alles Gute und schöne Begegnungen mit den Mitgliedern der Sportgruppe. Heute hat die Sportgruppe 110 Aktivmitglieder, die sich auf die verschiedenen Angebote in Gruppen aufteilen.

Rolf Nyfeler  (rny)